Neujahrsansprache 2009 - Im 2009 entscheidet sich vieles!
Liebe Fehraltorferinnen, liebe Fehraltorfer
Es freut mich sehr, dass ich zusammen mit dem Gemeinderat wiederum Ihr Gastgeber an unserem traditionellen Neujahrsempfang in der Mehrzweckhalle Heiget sein darf. Schon zum zweiten Mal durften wir Ihnen einen ausführlichen Brunch offerieren.
In meiner letzten Neujahrsansprache bin ich auf die Vorteile der Schweiz eingegangen:
- Leistung wird bei uns belohnt - Unser föderalistisches System - Die Schweiz ist sehr offen - Unsere Lage in Europa - Wir sind unabhängig - Made in Switzerland bedeutet Qualität - Wir sind Globalisierungsgewinner und unser günstiges Staatswesen
Diese Schweizer Qualität, diese Werte, gilt es auch in Zukunft zu pflegen. Dies ist nötiger denn je.
Das Jahr 2008 kann ich mit wenigen Sätzen zusammenfassen: Es ist das Jahr der Euro 08 gewesen, mit einem mässigen Abschneiden unserer Nati. Leider habe ich mich geirrt; wir sind nicht Europameister geworden. Mein Traum ist nicht in Erfüllung gegangen. Gleichzeitig ist es ein Jahr mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gewesen. Die Finanzkrise hat uns voll getroffen. Die Auswirkungen werden erst in diesem Jahr so richtig spürbar. Es wird ein Jahr der Herausforderungen für uns alle. Auf Gemeideebene haben wir einige wichtige Projekte angestossen. Eines davon ist die Zentrumsplanung. Wir sind eine von den wenigen E-Voting-Testgemeinden im Kanton Zürich. Sie haben aktiv mit dem neuen System abgestimmt und gewählt und tragen somit durch Ihre Rückmeldungen zur Verbesserung des Systems bei.
An den Börsen ist unheimliches passiert. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass der Staat und die Nationalbank unserer grössten Bank, der UBS, unter die Arme greifen müssen? Wer hätte erwartet, dass die Grossen der amerikanischen Au¬toindustrie kurz vor dem Konkurs stehen? Wer hätte geahnt, dass ein beträchtlicher Teil unserer Exportindustrie so schnell vor leeren Auftragsbüchern steht? Viele vergleichen unsere Zeit mit den 30er Jahren. Eine Zeit der Massenarbeitslosigkeit, eine Zeit wo die Wirtschaft zusammengebrochen und Grundlage für den 2. Weltkrieg gewesen ist.
Ich glaube nicht, dass wir das nochmals erleben werden. Die Ökonomen haben aus den Fehlern der letzten grossen Krise gelernt. Die Geldmenge ist rechtzeitig ausgeweitet geworden. Die Zinsen sind im Gegensatz zu damals tief. Die Staaten greifen koordiniert ein, gewähren wo nötig und sinnvoll Kredite.
Krise ist immer auch Chance. Manch seriöser Handwerker hat von den Banken keine Kredite erhalten, weil das Geschäft nur wenig Rendite versprochen hat, oder vielleicht unsicher gewesen ist. Man hatte ja 10, 15 oder gar 20 Prozent Rendite erwirtschaften wollen. Die Inhaber der Banken und ihre Aktionäre haben solch hohe Renditen erwartet. Die Bonussysteme der Bankangestellten sind danach ausgerichtet worden. Aber auch der Staat hat sich über den Steuersegen der Finanzinstitute gefreut. Viele Risiken sind eingegangen worden. Wie wir heute wissen, zu viele Risiken. Ausländische Finanzprodukte, wo nicht einmal Spezialisten gewusst haben wie diese zusammengesetzt sind, aber eine hohe Rendite versprochen haben, sind gekauft worden. Heute wissen wir: Auch das AAA der Ratingagenturen hat sich in Luft aufgelöst. Doch, vielleicht bekommt heute der seriöse Handwerker mit einer guten Geschäftsidee wieder Unterstützung. Der Bankfilialleiter im Dorf kennt ihn und weiss, dass er von morgens bis abends hart arbeitet, um die Zinsen zu zahlen.
Uns allen wird in dieser Krise wieder einmal bewusst vor Augen geführt, dass grenzenlose Gier, das alleinige Streben nach Geld, keine Nachhaltigkeit bietet und nicht das Glück unserer Erde bedeutet. Manchmal gilt: "Weniger ist auch genug." Dies hat auch für das Wirtschaftsleben seine Gültigkeit.
Wer geglaubt hatte, dass der freie Markt alles richtet, der ist und wird jetzt eines Besseren belehrt. Die Manager, die sich vor wenigen Monaten noch stark gegen staatliche Eingriffe gewehrt haben, rufen plötzlich nach dem Staat und verlangen Hilfe.
Doch hier liegt auch die Gefahr für die Zukunft. Wir brauchen weiterhin einen gesunden und leistungsfähigen Staat. Aber wir brauchen auch keinen Staat, der den Menschen nicht alle Verantwortung abnimmt. Auch dürfen wir keinen Staat haben, wo alles und jedes Detail in unserem Leben reguliert und bestimmt wird.
Ich rede da vom goldenen Mittelweg, den wir beschreiten müssen. Oder eben vom gesunden Menschenverstand, den wir einschalten sollten.
Im Beruf und im Privatleben gibt es oft Hürden zu nehmen. In jedem Lebensbereich hat jeder sein Päckchen zu tragen. Und genau da möchte ich ansetzen. Jemand, der stark ist, der empfindet das Gewicht des Päckchens ganz anders als jemand, der sich selbst bedauert, weil er ein riesiges Paket zu tragen hat. Auf unsere innere Einstellung kommt es an. Es ist wie mit dem Stress. Viele jammern nur herum, weil sie Stress haben. Stress setzt aber in uns Energien frei. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Wir müssen es nur als etwas Positives sehen. Stress kann uns anregen, etwas Bestimmtes zu tun. Schneller, besser, konzentrierter. Stress darf aber auch nicht dauernd sein und Überhand nehmen. Jeder muss auch seine Oasen haben, wo er wieder auftanken kann. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir die kommenden Hürden gut bewältigen werden, auch mit grossen oder kleinen Päckchen auf dem Rücken.
In unserer Gemeinde haben wir im 2008 drei Gemeindeversammlungen gehabt. Wichtige Geschäfte sind aus meiner Sicht gewesen:
9. Juni 2008: - Zustimmung zur Jahresrechnung 2007
15. September 2008: -Bewilligen eines Kredites von Fr. 906'000.00 für die Sanierung der gemeindeeigenen Liegenschaft Schulhausstrasse 3
8. Dezember 2008: - Zustimmung zur Auflösung des Zweckverbandes Kreisspital Pfäffikon - Bewilligen eines Kredites von Fr. 770'000.00 für die Umgestaltung und Sa¬nierung der Obermülistrasse - Der Steuerfuss bleibt bei 109%; das Budget 2009 wurde genehmigt
Wiederum sind Sie den Anträgen des Gemeinderates gefolgt. Wir wissen diesen Vertrauensbeweis sehr zu schätzen.
Zwölf neue Monate liegen vor uns und wir wissen nicht, was uns erwartet. Wenn man jung und unerfahren ist, macht einem genau das unruhig. Man weiss nicht, was einem erwartet oder was auf einem zukommen wird. Man fängt an zu grübeln. Man fängt an, in seiner Fantasie die verschiedensten Szenarien auszudenken. Aufs wirkliche Leben ist man in solchen Momenten schlecht vorbereitet. Es kommt ja auch oft anders, als man es gedacht hat. Und dann fängt man wieder an zu grübeln. Jetzt muss ich mich erst recht auf die neue Situation einstellen. Eigentlich ein Teufelskreis. Wenn man älter und erfahrener wird, gewöhnt man sich das ab. Man weiss, dass Grübeln verkrampft und man in solchen Momenten für Neues nicht offen genug ist. Der Historiker Thomas Carlyle hat einmal gesagt: „Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was in vager Ferne liegt, sondern nur das zu tun, was das Nächstliegende ist." Das trifft es auf den Punkt.
Liebe Anwesende, ob im Privatleben oder in der Geschäftswelt. Die Erde dreht sich. Wir halten sie nicht auf. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Erst wenn Probleme da sind, können wir konkret über deren Lösungen nachdenken. Sonst würden wir uns im Weltall verlieren, wenn wir tausend Probleme erwarten und über abertausende von Lösungsmöglichkeiten nachdenken.
Aber einen Haken hat die Sache schon: Wir müssen es wollen. Nämlich das Positive auch im Negativen sehen wollen. Nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen! Unendlich stolz können wir auf uns sein, wenn wir etwas schaffen, was uns kei¬ner zugetraut hätte. Dazu müssen wir flexibel sein. Wir müssen dazulernen wollen. In vermutlich immer kürzeren Abständen müssen wir uns auf neue Situationen einstellen. Wenn wir dabei Schritt halten, kann uns nichts passieren. Wie ein trainierter Sportler, dem nicht so schnell die Luft ausgeht. Auch wenn das Laufband, auf dem er trainiert, auf eine höhere Stufe geschaltet wird.
Liebe Fehraltorferinnen und Fehraltorfer. Die wirtschaftlichen Prognosen für dieses Jahr sind nicht so gut. Jedem Einzelnen hier wünsche ich viel Optimismus und Energie.
Unserer Natur ist es so ziemlich egal, ob wir im Moment gute oder schlechte Zeiten haben. Sie hat schon seit Jahren üble Zeiten. Wir müssen unsere Bemühungen weiterhin verstärken und mehr Umweltbewusstsein entwickeln und auch danach handeln. Fehraltorf ist unterwegs zum Energiestadtlabel. Ich träume aber von mehr. Ich träume davon, dass wir vielleicht einmal Solarenergiepioniergemeinde werden. Auch ein Gemeindepräsident darf und muss Träume haben. Gerade in den neuen Technologien liegen ungeahnte ökonomische Zukunftsmöglichkeiten. Etliche Tausende von Arbeitsplätzen können auf neuen Gebieten geschaffen werden. Neue Märkte, die erschlossen werden können. Auch unsere Natur verlangt von uns allen einen Marschhalt und einen vernünftigeren Umgang mit unseren Ressourcen.
Unsere Bildungslandschaft wird weiterhin umgepflügt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Aussaat nicht einmal die Chance hat zu wachsen, schon kommen weitere Neuerungen von der Zürcher Regierung. Ich bewundere jeden, der auf diesem für uns alle sehr wichtigen Gebiet trotz immer währendem Gegenwind sein Bestes gibt. Denn es geht um nichts Geringeres als um die Zukunft unserer Kinder!
Zum Ausblick gehört auch ein Rückblick auf die Bundesratswahl. Ich hoffe, dass mit der Wahl von Ueli Maurer in den Bundesrat wieder Ruhe einkehrt. Die Konkordanz hat noch einmal, wenn auch knapp, die Kurve gepackt. Die Bevölkerung erwartet zu Recht von den Politikern, dass hart gearbeitet und nach Lösungen für die vielen anstehenden Probleme gesucht wird. Dies geht nur, wenn alle mitmachen. Es darf dabei auch nicht sein, dass einzelne Parteien der Bundesversammlung ihren Willen aufzwingen wollen. Es darf aber auch nicht sein, dass undurchsichtige und unfaire Spiele betrieben werden.
Was aber wird uns in Fehraltorf in diesem Jahr im Speziellen bewegen? Für mich ist die März-Gemeindeversammlung ein wichtiger und wesentlicher Meilenstein. Ich erhoffe mir Ihre Zustimmung zum Gestaltungsplan Dorfkern und zu den Liegenschaftengeschäften mit der Kirche. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die öffentliche Hand investiert. Und wir wollen investieren. Wenn alles gut geht, wollen wir innerhalb von einem Jahr mit dem Baukredit für die "Metzgerei" an die Gemeindeversammlung und dann umgehend mit dem Neubau beginnen. Anschliessend sollen die Alterswohnungen mit einer Pflegewohnung gebaut, die Bibliothek erweitert und die Chronikstube vergrössert werden. Doch auch für die Familien und Jungen ist einiges in Planung. Ein Hort soll das Angebot der Schule abrunden. Den Jugendlichen soll ein Jugendkafi zur Verfügung gestellt werden. Ein Ort der jugendlichen Begegnung ausserhalb des Jugendraums. Wir sind keine Schlafgemeinde, sondern die Qualität im Zürcher Oberland. Etappenweise wollen wir die Quartierstrassen weiter beruhigen und verkehrssicherer ausgestalten. Am 19. Januar 2009 stellen wir Ihnen das Projekt Umgestaltung der Kempttalstrasse vor: Sie werden staunen! Besser wäre sicher die Umfahrung, aber die liegt leider noch in weiter Ferne. Darum gilt der bekannte Ausspruch: "Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach."
Schon viele Male ist der Weltuntergang herbeigeredet worden. Ich weiss, viele von Ihnen machen sich Sorgen um Ihren Arbeitsplatz, wissen nicht, ob die Rente noch gesichert ist. Jede Krise hat auch ihr Ende. Danach geht es wieder aufwärts. Wann dieser Zeitpunkt ist, weiss ich auch nicht. Aber ich weiss, dass dieser Zeitpunkt kommen wird, ganz bestimmt. In unserem Land haben wir auch die Chance, gestärkt aus diesem Prozess hervorzugehen. Dies kann uns nur gelingen, wenn wir in diesen schwierigen Tagen zusammenhalten und gemeinsam nach Lösungen suchen. Die vergangenen Boomjahre haben auch den Egoismus sehr stark gefördert. Dies macht mir als Gemeindepräsident auf Gemeindeebene oft zu schaffen, wenn ich erleben muss, dass Einzelinteressen höher als die Interessen der Allgemeinheit gewichtet werden.
Sie sehen, im Jahr 2009 entscheidet sich vieles!
Mein abschliessender Dank gilt der Musikgesellschaft Fehraltorf mit seinem Dirigenten Urs Holliger, welche wie immer diesen Neujahrsempfang am Anfang musikalisch umrahmt hat. Weiter danke ich dem Verkehrs- und Verschönerungsverein sowie dem Frauenturnverein und allen weiteren Beteiligten, die zum guten Gelingen dieses Anlasses beigetragen haben.
Einen weiteren Dank richte ich an all die, welche im vergangenen Jahr zum Gemeinwohl unserer Gemeinde beigetragen haben.
Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge. (Marcus Tullius Cicero (106-43), röm. Redner u. Schriftsteller)
Das neue Jahr ist ein Anfang, aus dem hoffentlich viele guten Dinge entspringen.
Wir wissen nicht, was kommt, aber eines weiss ich: Bevor der Weisswein warm wird höre ich jetzt auf zu reden. Erheben wir die Gläser auf die Aufgaben, die uns erfüllen und stärken, stossen wir an auf dieses neue Jahr 2009, von dem wir nicht recht wissen, was es uns alles bringt. Der Gemeinderat und ich wünschen Ihnen, Ihren Familien und unserer Gemeinde für 2009 ein erfolgreiches, glückliches neues Jahr!

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